Vom Big Apple in die Khao San Road - Zimt und Pflaume umrunden die Welt. Stationen sind Kenia, New York, L.A., Neuseeland, Australien, Indonesien, Singapur, Malaysia, Thailand und Vietnam.

Sonntag, Juni 08, 2008

Riga, not Paris!

Hallo aus Riga! Ja, ich weiß. Eigentlich sollte ich jetzt in Paris sein. Stattdessen bin ich im Paris des Ostens oder dem Bangkok des Baltikums - man hat viele Namen für die Hauptstadt Lettlands gefunden.

Wie hat es mich hierhin verschlagen? Für die auf dem Schlauch: Ich drehe gerade eine Reportage für den WDR, das ist der Preis für den boundless Award (zwei Einträge weiter unten). Eigentlich hätte ich nach zwei Wochen Köln nach Paris, doch eine andere Teilnehmerin wollte unbedingt nach Frankreich - also hab ich nicht nein gesagt zu diesem Tausch.

Hier bin ich also Riga. Am Flughafen hat mich Gatis abgeholt, der der Projekt Manager ist und mir bis nächsten Samstag zu Seite steht und alles organisiert, was ich so brauchen könnte. Das war gestern erstmal ein gutes Bier. Da hat mich dann auch schon der erste Schlag getroffen, nämlich wie verflixt teuer Lettland ist. Man glaubt es kaum, aber der lettische Lats ist eineinhalb mal so viel wert wie der Euro und so überlegt man sich das mit den Keksen im Supermarkt besser zweimal. Mein Mittagessen gestern hat also umgerechnet stolze 18 € gekostet und beinhaltete eigentlich bloß ein kleines Sandwich und ein Bier.

Ok, ok ich gestehe. Es mag an der Gegend liegen, schließlich bin ich hier (im Gegensatz zu Köln) in ein Vier Sterne Hotel eingebucht und genieße meinen Riesen-HD-TV und meine Badewanne. Mein 5 Quadratmeterbett verlockt zu jeder Tageszeit zum Schönheitsschlaf - den brauch ich auch, denn ab morgen tauch ich in eine noch viel fremdere Welt ein: Die Rigaer Modeszene.

Schließlich ist das Thema meiner Reportage die lettische Modedesignerin Keta Gutmane, die in einer alten Fabrik mit vielen anderen Künstlern ihr Studio hat und natürlich auch in einer Band singt, wie jeder der heute cool und angesagt sein will :) Ob das so der absolute Hammer wird, will ich auch noch nicht sagen, aber nun wir sind ja erst am ersten Tag.



Morgen lerne ich auch mein Team kennen und werd mich dann mal im Ton angeben üben, schließlich wollen Kameramann, Tontechniker, Übersetzerin, Recherchehilfe und Fahrer wissen, was sie tun sollen. Es sollte übrigens gut werden, weil das lettische Fernsehen, will das hier senden :)

Ich wünsche euch eine gute Zeit und verabschiede mich aus dem bezaubernden, Art-Deco Riga




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Dienstag, Januar 02, 2007

a near miss

While all over the world people were celebrating new year, my hometown turned into a battlefield. Explosions, fire and smoke was everything I could see. The night was illuminated by this crazy fight and people ran on the streets, not knowing what to do. Tears ran down their cheeks, because these bombs, were bombs of joy and this noise that made you put your fingers in the ears chased away every useless fear. I could have shouted: Happy new year! I just felt so happy in this moment when the fireworks of a whole town celebrated the beauty of life. So I put my very own rocket on the ramp to fire it in the sky and watch it burst into the most wonderful colours. I put fire to the fuse and stepped back to let it go off. I thought this, my very own rocket, will start and go off right speedily, a perfect symbol for the start of my new year... a near miss, I would say, it flew off and fell down a few meters away, without detonating. But I got a second chance and the next rocket I started just opened up like a flower in the sky. My new year started very very well.

These are the days we can feel that this sentence is not necessarily stupid:
If everyone cared noone would suffer

I beg everyone who had a wonderful new year celebration, give to the less fortunated:
http://www.unicef.de/4148.html

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Montag, Dezember 18, 2006

Abschied im Besucherpark

Heute bin ich von der Arbeit über den Flughafen nach Hause gefahren. Ich hatte keine Fahrkarte für die Ringe 7 bis 9 aber richtig war es trotzdem. Am Besucherpark musste ich eine Viertelstunde auf meine s-Bahn warten. Eine Viertelstunde, die ich mit Flugzeug-Gucken verbracht habe und einem ziemlich guten Gefühl.

Der Abschiedsmonat hat begonnen - wenn jeder Abschied so schön wird, wie der von meinen Kollegen bei TriebWerk, dann wird es ein guter Monat. An dieser Stelle: Ihr habt mich überwältigt und in der Überwältigung hab ich mich seit langem wieder wie ein Mensch gefühlt und nicht wie ein Arbeitstier. Schwach sein ohne geschlachtet zu werden - da fängt das Menschsein an.

Auch wenn ihr sagt, der Löwe soll mich an Bayern erinnern, er erinnert mich vor allem daran, dass es noch Starke gibt außer mir. Wir müssen nicht alles alleine schaffen. Haltet zusammen.


Ich will auch mal alle Freunde von der Saskia beruhigen, dass ihr nur noch von mir hört, liegt nicht daran, dass es ihr nicht mehr gut geht. Es geht ihr sozusagen zu gut. Ihre Eltern sind nun auch in Kenia und zusammen erkunden sie genau die Regionen die keinen Internetzugang haben. Mein letzter Stand ist, dass sie zwei Nächte in einem Benediktiner-Kloster übernachtet haben. (Kloster scheint allerdings übertrieben, es gibt dort einen Mönch und einen Pater - und wahrscheinlich wechseln sie sich ab)

Idyllisch und schön soll es sein. Es liegt an einem Fluss und es gibt einen Garten. Frag ich mich jetzt, ob sie da jetzt froh war mal Latein gelernt zu haben? Pater noster qui est in coelis, sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum, fiat voluntas tua sicut in coelo et in terra ...

Freue mich sie wiederzusehen. Langsam spür ich, dass es keine kurze Zeit war, aber auch, dass es eine große Liebe ist.

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Donnerstag, Dezember 07, 2006

Mein Telefonat mit dem Königlichen Thailändischen Honorargeneralkonsulat

Da hab ich mich doch auf ein seriöses Gespräch, mit einer etwas schlecht, aber hochgestochenen sprechenden Thai-Beamtin vorbereitet - doch was bekomm ich? Ich will kurz das Telefonat widergeben... das sagt, denk ich, alles:

"Thai-Konsulat"

"Guten Tag, mein Name ist Kösters, ich hätte eine Frage wegen einer Visa-Angelegenheit."

"Ja geh, na dann fragens scho"

"Ich plane eine Weltreise und möchte am Ende für drei Monate in Thailand bleiben, um dort Englisch zu unterrichten, was brauch ich denn da für ein Visum?"

"Ja ham sie ein Einladungsschreiben?"

"Nein, noch nicht, aber das könnte ich besorgen."

"Na dann besorgens des."

"Was brauch ich denn dann für ein Visum, das sind ja annähernd 90 Tage."

"Na wohl ein Business."

"Aber ich werd nicht gezahlt."

"Na a Education tuts auch, das ist dasselbe. Aber dann würd ich Sie bitten kommen Sie im Januar, am 7. machen wir wieder auf. Aber kommens net am 7. da werdens eh alle vor der Türe stehen. Da hab ich kein Nerv."

"Danke."

"Ja Bittschön. Wiederhören."



Edit: Rückruf

...
"Ich hab im Internet gelesen, dass das Visum ab Ausstellung nur drei Monate gilt. Innerhalb der Zeit muss ich nach Thailand einreisen. Das Endet ja dann im April."

"A dann muss ich ihnen des halt a bissl so ausstellen, dass es passt. Des geht scho."
...

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Mittwoch, Dezember 06, 2006

'54 '74 '90 2006

Auf ARD lief gerade "Deutschland - Ein Sommermärchen" und das hat mich an diesen fantastischen Sommer erinnert, vielleicht einen der schönsten Sommer meines Lebens. Klar war ich schon 90 Fußball-Fan, Loddar, Bodo, Icke und Rudi. Damals sogar ein viel größerer. Aber 2006 hab ich doch alles ein wenig bewusster wahrgenommen.


Es ist vielleicht selektive Erinnerung, aber es fühlt sich an, als wäre jeder Tag ein guter gewesen. Deutschland hat das Fußballspielen wieder gelernt und auf der Straße konnte man ungehemmt Fremde umarmen. Selbst Coca-Cola war auf unserer Seite. Ich bin selbst zum Fußballspielen gerannt und wenn ich mich nicht doch geschämt hätte, dann hätte ich geschrieen: Ich bin Podolski!

Ja! Und ich bin aufgestanden, weil ich ein Deutscher bin und es war plötzliche eine Nation da, wo vorher nur eine Einkaufstüten- und Aktenkofferschleppende Masse war. Da haben wir uns plötzlich alle getroffen, um miteinander zu singen. Fremde, die sich vorher gestritten haben, wer sich zuerst in der Schlange angestellt hat. So hat es mir gefallen mein Deutschland, so ist es nämlich wirklich. Wir sind gute Kerle. Ich bin auch mit Schwedenflagge im Gesicht zum Sverje-Anfeuern gefahren. Hüpfen im Bus und Singen ohne Melodie.


Die Erinnerung und dazu die Klinsmannsche Halbzeit-Poesie aus Sönkes Film - ich schwebe. Ich bin mir sicher, '54 '74 '90 2006 - das ist ein Teil meiner Heimat, das ist entscheidend in meiner persönlichen Welthistorie. Und wenn ich einmal 20 sekunden Sendezeit für eine Ansprache an die Nation bekomme, dann sag ich vielleicht nur eins: Haut's drauf, der Rasen ist nass.

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Montag, November 20, 2006

Shalom Munich

Reisen ist das Eine. Gäste haben das Andere.

Dass die eigene Käseglocke plötzlich explodieren kann und die Welt doch viel komplizierter ist, als gedacht - das habe ich heute lernen dürfen, als ich Noa und Ahlam kennen gelernt habe.
Die beiden Mädchen sind aus Israel, Noa ist Jüdin, Ahlam Moslem. Sie machen beim Kreis-Jugend-Ring München ein FSJ. Und ich werde sie die nächste Woche mit der Kamera verfolgen, um eine Reportage über sie zu drehen.

Heute hatten wir unser erstes, richtiges Gespräch. Was ist das Thema? Das ist die bohrende Frage. Juden und Deutschland. Palästinenser und Bomben. Oder doch nur zwei Mädchen in einem fremden Land.

Wir haben über alles geredet, was uns eingefallen ist. Weil es uns in erster Linie Spaß gemacht miteinander zu reden. Ich muss zugeben, dass es das erste Mal war, dass meine urdeutsche Vergangenheitsbewältigung auf eine Jüdin getroffen ist. Nicht auf Mit-Deutsche, die auch in der dritten Generation lässig sagen: Ach, Schwamm drüber. Ein Mädchen, dass beim Wort Holocaust Wut bekommt, Wut auf ein Land und seine Menschen. Es war das erste Mal, dass ich gegenüber einem Juden gesagt habe, dass ich mich schuldig fühle für die deutsche Vergangenheit. Und jetzt bin ich am Überlegen, ob das stimmt.

Noa erwartet es nicht. Sie sagt, sie schämt sich für ihre Wut, die Menschen die sie in Deutschland kennenlernt sind offenherzig und gut. Ich komm mir irgendwie blöd vor über den Holocaust zu reden - und doch geht es nicht ohne ihn, mit der Jüdin und dem Thema. Ich weiß nicht, ob die Reportage über den Holocaust sein sollte.

Ahlam kann da nicht mitreden und es ist schon eine absurde Situation, dass man das Thema am Tisch wechselt hin zu Selbstmordattentaten, weil da jeder was zu sagen kann. Zum Beispiel, dass Ahlams Tante ihre Beine verloren hat in einem Bus. Oder dass ihr Lieblingscafé zweimal attackiert wurde. Jetzt geht sie da lieber nicht mehr hin.

Was soll man da noch verstehen, wenn der palästinensische Terror der muslimischen Frau die Beine wegreißt und der jüdische Bekannte von Noa von der israelischen Armee im Libanon-Konflikt erschossen wird. Das ist doch alles absurd, so absurd, wie die Geschichte die Avi berichtet. Er ist ein Freund der beiden. Er erzählt, dass er als es einen großen Anschlag auf das Dolphinarium in Tel Aviv keine 1000 Meter weit entfernt saß und nach dem Anschlag ein zweites Glas Bier bestellte und noch nicht einmal die Musik aussetzte.

Angst wird in Deutschland derzeit kultiviert, die Zeitungen sind voll davon. In Israel ist man darüber längst hinweg, da sagt man: Was bringt mir Angst? Wenn ich mich daheim einschließe, lebe ich auch nicht. Zu Zeiten großer Anschlagswellen sind die Straßen voll und die Leute feiern bis spät in die Nacht - sagt Avi.

Vielleicht lässt sich aber Angst auch nur durch pathetische Geschichten ertragen. Sicher bin ich mir aber, dass ich auch gerne so tue, als ob ich wie der Schäfflertänzer vor der Pest hertanze, aber mit einem mulmigen Gefühl in ein Flugzeug oder die U-Bahn steige.

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Freitag, November 03, 2006

Freiheit ist doch nur was für Idioten

Photobucket - Video and Image HostingSalute!
Es darf geschossen werden, ich bin aus dem Häuschen.
Hab heute meine Ticktets abgeholt und wie in einem schlechten französischen Film der siebziger Jahre hat es tatsächlich dick geschneit, als ich von afk zum Reisebüro gestapft bin.
Jetzt hat die Reise irgendwie auch für mich begonnen - auch wenn sie mich vorerst zu so unspektakulären Orten wie der Kfz-Zulassungsstelle in Grasbrunn führen wird, wo ich einen int. Führerschein beantragen werde - der in der Tat notwendig ist, um die ganz große Freiheit beispielsweise auf der weltbekannten Route 66 zu spüren. Na das soll mal nicht alles sein, was wir auf unserer Reise sehen. Passend hierzu einer meiner Lieblingsverhörer aus den Charts: Freiheit ist doch nur was für Idioten.
- Ein bisschen Idiotie gehört zum Leben dazu, aber eben auch viel Weisheit.
Von meinen schwammigen Sprüchen und spritziger Freude zurück zu Saskia, die mir so fabelhafte Gefühle schenkt, wie glücklich und traurig zur gleichen Zeit sein zu können.

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